MOZART ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL KV384 1-12 'DU BIST SO GROßMÜTIG, SO GUT' - 'HA, TRIUMPH, TRIUMPH, HERR!' - 'WOHIN '-'HINEIN!' LYRICS

Während des Gesanges geht der Bassa unwillig hin und her.

KONSTANZE
Ach, ich sagt' es wohl, du würdest mich hassen. Aber verzeih, verzeih dem liebekranken Mädchen! - Du bist ja so grossmüthig, so gut - Ich will dir dienen, deine Sklavinn seyn, bis ans Ende meines Lebens: nur verlange nicht ein Herz von mir, das auf ewig versagt ist -

SELIM
Ha, Undankbare! Was wagst du zu bitten?

KONSTANZE
Tödte mich, Selim, tödte mich! nur zwinge mich nicht, meineidig zu werden - Noch zuletzt, wie mich der Seeräuber aus den Armen meines Geliebten riss, schwur ich aufs feyerlichste -

SELIM
Halt ein! nicht ein Wort! Reize meinen Zorn nicht noch mehr. Bedenke, dass du in meiner Gewalt bist -

KONSTANZE
Ich bin es: aber du wirst dich ihrer nicht bedienen, ich kenne dein gutes, dein mitleidvolles Herz. Hätte ichs sonst wagen können, dir das meinige zu entdecken? -

SELIM
Wag es nicht, meine Güte zu missbrauchen -

KONSTANZE
Nur Aufschub gönne mir, Herr! Nur Zeit, meinen Schmerz zu vergessen -

SELIM
Wie oft schon gewährt ich dir diese Bitte -

KONSTANZE
Nur noch diesmal!

SELIM
Es sey! zum letztenmale! - Geh, Konstanze, geh! Besinne dich eines Bessern, und morgen -

KONSTANZE
im Abgehn
Unglückliches Mädchen! O Belmonte, Belmonte!


ACHTER AUFTRITT
Selim, Pedrillo, Belmonte.

SELIM
Ihr Schmerz, ihre Thränen, ihre Standhaftigkeit bezaubern mein Herz immer mehr, machen mir ihre Liebe nur noch wünschenswerther. Ha! wer wollte gegen ein solches Herz Gewalt brauchen? - Nein, Konstanze, nein, auch Selim hat ein Herz; auch Selim kennt Liebe -

PEDRILLO
Herr! verzeih, dass ich es wage, dich in deinen Betrachtungen zu stören -

SELIM
Was willst du, Pedrillo?

PEDRILLO
Dieser junge Mann, der sich in Italien mit vielem Fleiss auf die Baukunst gelegt, hat von deiner Macht, von deinem Reichthum gehört, und kommt her, dir als Baumeister seine Dienste anzubieten.

BELMONTE
Herr! könnte ich so glücklich seyn, durch meine geringen Fähigkeiten deinen Beyfall zu verdienen.

SELIM
Hm! Du gefällst mir. Ich will sehen, was du kannst. -
zum Pedrillo
Sorge für seinen Unterhalt. Morgen werde ich dich wieder rufen lassen.
geht ab


NEUNTER AUFTRITT
Belmonte, Pedrillo.

PEDRILLO
Ha! Triumph, Triumph, Herr! der erste Schritt war gethan.

BELMONTE
Ach lass mich zu mir selbst kommen! - Ich habe sie gesehen, hab' das gute treue beste Mädchen gesehen! - O Konstanze, Konstanze! Was könnt' ich für dich thun, was für dich wagen?

PEDRILLO
Ha! gemach, gemach, bester Herr! Stimmen Sie den Ton ein bischen herab; Verstellung wird uns weit bessere Dienste leisten. Wir sind nicht in unserm Vaterlande. Hier fragen sie den Henker darnach, ob's einen Kopf mehr oder weniger in der Welt giebt. Bastonade und Strick um Hals sind hier wie ein Morgenbrod.

BELMONTE
Ach, Pedrillo! wenn du die Liebe kenntest -

PEDRILLO
Hm! Als wenn's mit unser einem gar nichts wäre. Ich habe so gut meine zärtlichen Stunden als andere Leute. Und denken Sie denn, dass mir's nicht auch im Bauche grimmt, wenn ich mein Blondchen von so einem alten Spitzbuben, wie der Osmin ist, bewacht sehen muss?

BELMONTE
O wenn es möglich wäre, sie zu sprechen -

PEDRILLO
Wir wollen sehen, was zu thun ist. Kommen Sie nur mit mir in Garten: aber um alles in der Welt, vorsichtig und fein. Denn hier ist alles Aug und Ohr.

Sie wollen in den Palast, Osmin kommt ihnen in der Thür' entgegen, und hält sie zurück.


ZEHNTER AUFTRITT
Vorige, Osmin.

OSMIN
Wohin?

PEDRILLO
Hinein!

OSMIN
zu Belmonte
Was will das Gesicht? - Zurück mit dir, zurück!

PEDRILLO
Ha, gemach, Meister Grobian, gemach! er ist in des Bassa Diensten.

OSMIN
In des Henkers Diensten mag er seyn! Er soll nicht herein!

PEDRILLO
Er soll aber herein!

OSMIN
Kommt mir nur einen Schritt über die Schwelle -

BELMONTE
Unverschämter! Hast du nicht mehr Achtung für einen Mann meines Standes?

OSMIN
Ey, ihr mögt mir vom Stande seyn! - Fort, fort, oder ich will euch Beine machen.

PEDRILLO
Alter Dummkopf! Es ist ja der Baumeister, den der Bassa angenommen hat.

OSMIN
Meinethalben sey er Stockmeister: nur komm er mir hier nicht zu nahe. Ich müsste nicht sehen, dass es so ein Kumpan deines Gelichters ist, und dass das so eine abgeredte Karte ist, uns zu überlisten. Der Bassa ist weich wie Butter, mit dem könnt ihr machen, was ihr wollt: aber ich habe eine feine Nase. Gaunerey ist's um den ganzen Kram, mit euch fremden Gesindel; und ihr abgefeimten Betrüger habt lange euer Plänchen angelegt, eure Pfiffe auszuführen. aber wart ein bischen! Osmin schläft nicht. Wär' ich Bassa, ihr wär't längst gespiesst. - Ja! schneid't nur Gesichter, lacht nur hönisch in Bart hinein!

PEDRILLO
Ereifere dich nicht so, Alter; es hilft dir doch nichts. Sieh, so eben werden wir hinein spatzieren.

OSMIN
Ha! das will ich sehen!
stellt sich vor die Thüre.